Sudeten-Archiv

 

                           Autonomieforderung
Henlein und seine Freunde befaßten sich schon lange vor der Parteigründung mit der Autonomiefrage. So unternahmen sie beispielsweise 1925 eine Studienreise in die Schweiz. Die Abgrenzung von der NSDAP unterstrich Henlein am 21. Oktober 1934 in Böhmisch-Leipa in einer programmatischen Rede. Diese war in der Sitzung der SHF-Hauptleitung vom 24. September 1934 gebilligt worden. Das Protokoll dieser Sitzung gibt auch Auskunft über die Planungen danach:
Anschließend an die programmatische Erklärung hat sofort die Schulungsarbeit und kleine Versammlungstätigkeit einzusetzen. Vor allem Schulung der Amtswalter, Tenor: Endgültiger Bruch mit der großdeutschen Idee, Aufräumen mit dem Gedanken, daß das sudetendeutsche Gebiet von Hitler von Deutschland aus erobert werden könnte.
Henlein und seine Freunde wünschten eine Autonomielösung in den Grenzen der CSR, was aber weder von den Tschechen, noch im Reichssicherheitshauptamt der SS gebilligt wurde. Innerhalb der SHF formierte sich der “Aufbruchkreis” um Karl-Hermann Frank, der ganz auf die reichsdeutsche Karte setzte. Wahrscheinlich durch Zusammenspiel der reichsdeutschen SS mit der tschechischen Polizei wurde Heinz Rutha, strategischer Kopf im Umfeld Henleins, verhaftet und starb im Gefängnis. Da auch Walter Brand, eine andere Stütze bei der Verfechtung des Autonomiegedankens, ausfiel, mußte Henlein Stück für Stück dem Aufbruchkreis nachgeben. Henlein konnte aber noch am 2. September 1938 bei Hitler am Obersalzberg unwidersprochen die Autonomielösung vorschlagen.

Quelle:
Vaclav Kral, Die Deutschen in der Tschechoslowakei 1933-47, Dokumentensammlung, Prag 1964, S.71